Éric, Sommelier am Kaiserstuhl: „Mein Terroir ist deutsch-französisch“
Éric Meier, 38, Sommelier in einem Sternerestaurant in Oberbergen, aufgewachsen im Elsass, Karriere in Deutschland. Er erzählt von seinem Beruf zwischen vulkanischem Spätburgunder und elsässischem Riesling.
Éric Meier stellt drei Gläser auf den Eichentisch. Drei Rote. „Links ein Spätburgunder vom Kaiserstuhl, 2020. In der Mitte ein Burgunder aus Marsannay. Rechts ein Spätburgunder aus der Pfalz. Sehen Sie den Unterschied?“ Man schaut, riecht, probiert. Man sieht nichts. Er schon.
Von Obernai nach Oberbergen
Geboren in Obernai im Unterelsass, wuchs Éric in einer Familie auf, in der „der Weißwein am Sonntag“ Ritual war. Mit 17 begann er seine Lehre bei einem elsässischen Sternerestaurant. Mit 23 zog er nach Deutschland, zunächst nach Baden-Baden, dann 2015 zum Schwarzen Adler in Oberbergen-Vogtsburg.
„Ich wollte verstehen, warum sich große deutsche Weine in Frankreich so schwer verkaufen. Die Antwort ist kulturell: Man kann sie nicht lesen.“
Kaiserstuhl, vulkanisches Terroir
Éric spricht über den Boden wie über einen Freund. „Hier ist es Löss auf Basalt. Die Reben leiden, also konzentriert der Pinot. Das Ergebnis: mineralische, geradlinige Weine mit einer Spannung, die man im Burgund nicht findet.“
Pro Abend verkauft er im Schnitt 80 Flaschen. Weinkarte mit 1200 Positionen, davon 600 deutsche Weine.
„Wein ist kein Getränk. Es ist flüssige Geologie.“
Die Brücke zwischen zwei Publika
Sein Alltag? Deutsche Gäste überzeugen, einen späten elsässischen Gewürztraminer zu probieren, und französische Gäste, einen Mosel-Riesling zu testen. „Man misstraut immer dem Nachbarn. Ein Glas ändert viel.“
Er nimmt regelmäßig an Verkostungen im Carl-Schurz-Haus in Freiburg teil, wo er deutsch-französische Workshops leitet.
Seine Herzensauswahl
- Weingut Dr. Heger, Ihringer Winklerberg — „die absolute Grand-Cru-Lage des Kaiserstuhls“.
- Domaine Albert Mann, Altenbourg — „biologisches Elsass, absolute Präzision“.
- Weingut Fritz Haag, Brauneberger Juffer — „ein Riesling, der altert wie ein Chambertin“.
Die Lehre des Berufs
„Das Schwerste ist die Demut. Man glaubt, einen Wein verstanden zu haben, und dann, an einem anderen Ort, mit einem anderen Gericht, überrascht er einen. Er hat sich verändert. Wie wir.“
Éric lebt in Ihringen mit seiner ebenfalls deutsch-französischen Partnerin. Die beiden Kinder sprechen zu Hause Französisch, in der Schule Deutsch. Sein Wunsch für sie? „Dass sie ihre Weine selbst wählen. Und sich manchmal irren.“
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