Claire, deutsch-französische Dokumentarfilmerin: die Grenze filmen
Claire Hartmann, 34, dreht seit Freiburg Dokumentationen für ARTE. Sie filmt die Menschen am Rhein, ihre Berufe, ihr Schweigen. Porträt eines geduldigen Blicks.
Claire Hartmann wohnt in einem ruhigen Haus im Vauban-Viertel. In ihrem Wohnzimmer-Büro eine Kamera auf dem Stativ, handbeschriftete Festplatten, eine Karte des Oberrheins an der Wand. „Ich drehe hier seit zehn Jahren“, sagt sie, „und habe das Gefühl, ich hätte erst letzte Woche angefangen.“
Eine binationale Kindheit
Tochter einer französischen Lehrerin aus Straßburg und eines deutschen Architekten aus Freiburg, wuchs Claire in beiden Sprachen und Schulsystemen auf. Mit 17 französisches Bac, Anthropologiestudium in Berlin, dann Dokumentarfilmschule in Lussas in der Ardèche.
„Ich dachte, ich würde in Afrika oder Asien drehen. Am Ende habe ich verstanden, dass mein Gelände hier ist.“
Ihre drei beachteten Filme
- Die Rheinschiffer (2019) — Porträt einer deutsch-französischen Schifferfamilie, die Fracht zwischen Basel und Straßburg transportiert. Auf ARTE gezeigt, beim Cinéma du Réel ausgewählt.
- Letzte Lese (2021) — über die Kaiserstuhl-Winzer im Angesicht des Klimawandels.
- Zwillinge des Eurodistricts (2023) — über die deutsch-französischen Kinder im Vauban-Viertel zwischen zwei Schulkulturen.
„Dokumentieren heißt nicht informieren. Es heißt viel Zeit mit Nichtstun verbringen, um da zu sein, wenn etwas passiert.“
Die Methode
Claire dreht allein oder mit einem kleinen Kollektiv. Sie arbeitet langfristig: Manchmal ein Jahr Präsenz, bevor die Kamera läuft. „Die Menschen am Rhein sind zurückhaltend. Sie müssen vergessen, dass man sie filmt.“
Ihre Ausrüstung: Sony FX3, Røde-Lavaliermikrofon, leichtes Stativ. „Heute kann man Dokumentarfilm mit dem Budget eines gut geplanten Sommers machen.“
Ihr nächstes Projekt
Ein Langfilm über die Lehrer des AbiBac-Programms, die Jugendliche auf das deutsch-französische Doppelabitur vorbereiten. Dreh geplant 2026 bis 2028 über drei Schülergenerationen.
Und Freiburg?
„Eine zurückhaltende Stadt, die nicht gern über sich spricht. Aber sie hat eine menschliche Dichte, die ich kostbar finde.“ Und sie fügt lächelnd hinzu: „Und ich mag die Radfahrer, die um 2 Uhr morgens nach Hause fahren, als wäre es Mittag.“
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