Geschichte

Der Élysée-Vertrag 1963: Wie zwei ehemalige Feinde das Gespräch lernten

Am 22. Januar 1963 unterzeichnen Adenauer und de Gaulle einen kurzen Text, der alles verändert: Schüleraustausch, regelmäßige Konsultationen, institutionalisierte Freundschaft. Ein Blick auf ein Dokument, das auch den Freiburger Alltag prägt.

La Rédaction · · 1 Min.

Vier Seiten. Keine pathetischen Höhenflüge, kein ewiges Versprechen — nur ein Kalender für Treffen, eine Verpflichtung, sich zu sehen, zu reden, die Kinder zum Nachbarn zu schicken. Der Élysée-Vertrag, unterzeichnet am 22. Januar 1963 von Konrad Adenauer und Charles de Gaulle, ist zuerst ein Stück diplomatische Installationsarbeit.

Kalter Krieg als Hintergrund

Zwei Jahre nach dem Mauerbau ist Europa angespannt. De Gaulle hat soeben Großbritannien die Tür zur EWG zugeschlagen. Adenauer, 87 Jahre alt, sucht ein Vermächtnis. Der Vertrag bindet beide Länder durch Konsultationen alle drei Monate zwischen den Staatschefs, zweimal jährlich zwischen Ministern.

Der Schüleraustausch als eigentliche Revolution

Der meistgelesene Artikel ist nicht der zur Verteidigung, sondern jener, der das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW) schafft. Mehr als neun Millionen junge Menschen haben seither an seinen Programmen teilgenommen. In Freiburg sieht man sie jeden Sommer: Briefpartner aus Lyon, die in Littenweiler wohnen, Staudinger-Schüler, die nach Besançon reisen.

„Wir wollen, dass die beiden Völker einander kennenlernen.“ — Konrad Adenauer, 1963

Jenseits der Reden

  • Gründung des DFJW 1963.
  • Deutsch-Französische Hochschule ab 1997.
  • AbiBac (binationales Abitur) seit 1994.
  • Eurocorps, ARTE, Eurodistrikte — alles geht mehr oder weniger auf diesen Text von 1963 zurück.

Sechzig Jahre später

2019 aktualisiert der Vertrag von Aachen den Élysée-Vertrag: grenzüberschreitende Mobilität, verstärkte Städtepartnerschaften, wirtschaftliche Kooperationen. Für viele Freiburger ist das kein fernes Dokument, sondern eine tägliche Selbstverständlichkeit: die Straßenbahn Richtung Mulhouse, die französische Bäckerei in der Wiehre, der binationale Chor im Carl-Schurz-Haus.

Ein kurzer Vertrag also — aber einer, der aus der Grenze eine geteilte Gewohnheit gemacht hat.

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