Geschichte

Freiburg und Frankreich: acht Jahrhunderte Nachbarschaft

Von der Stadtgründung durch die Zähringer bis zum heutigen Eurodistrict haben Freiburg und Frankreich nie aufgehört miteinander zu reden — manchmal laut, oft leise.

Thomas Keller · · 1 Min.

Als die Zähringer 1120 Freiburg gründen, ist das kapetingische Frankreich weit weg, westlich des Rheins. Doch schon im Mittelalter schauen die Kaufleute des Breisgaus nach Burgund, zur Messe von Besançon, zu den Lyoner Tuchmachern. Der Fluss trennt nicht — er verbindet.

Zwischen Reich und Königreich

Der Breisgau gehört lange zu den Habsburgern, also zu Vorderösterreich. Ludwig XIV. ändert alles: Seine Ingenieure, allen voran Vauban, befestigen Freiburg zwischen 1677 und 1697. Dreimal im 17. Jahrhundert wird die Stadt französisch, je nach Vertragslage. Die alten Pläne im Stadtmuseum zeigen noch diese sternförmigen Bastionen, heute längst eingeebnet.

Napoleon, Baden und der Rhein als Grenze

Revolution und Kaiserreich zeichnen die Region neu. 1806 entsteht das Großherzogtum Baden unter französischem Einfluss. Freiburg tritt ihm ohne Begeisterung bei, doch der Code civil Napoleons hinterlässt Spuren bis in das heutige Landesrecht.

Der Rhein war nie eine Mauer, nur eine Pause im Gespräch.

Kriege und dann Versöhnung

1870, 1914, 1940: Dreimal in siebzig Jahren überqueren französische Soldaten den Fluss. Freiburg, 1944 bombardiert, geht schwer verwundet aus dem Krieg hervor. Das Quartier Vauban, ehemaliges Militärgelände, trägt noch heute diesen Namen als Erinnerung.

1946 gründet die französische Besatzung das Carl-Schurz-Haus als deutsch-französisches Kulturzentrum. Der Beginn einer geduldigen Näharbeit, die der Élysée-Vertrag 1963 offiziell macht.

Heute: Eurodistrict

  • Freiburg–Mulhouse–Colmar teilen sich seit 2006 einen Eurodistrict.
  • Mehr als 3 000 Franzosen leben in der Agglomeration.
  • Zweisprachige Gymnasien, die Deutsch-Französische Hochschule, Straßenbahnen über den Rhein — alles erinnert daran, dass die Nachbarschaft nicht mehr erlitten, sondern gewählt wird.

Acht Jahrhunderte später blickt Freiburg immer noch nach Westen. Der Unterschied: Heute weiß es, dass der Westen zurückblickt.

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