Tu oder vous? Ein soziologischer Mini-Guide
Die Wahl zwischen tu und vous ist mehr als Grammatik – ein soziales Signal. Hier die aktuellen Konventionen.
Die offizielle Regel
Tu = vertraut (Familie, Freunde, Kinder, Tiere, Gott). Vous = höflich (Fremde, Vorgesetzte, Ältere) ODER Plural (mehrere Personen). Deutsch hat du/ihr/Sie; Französisch nur tu/vous.
Klare Fälle
- Tu: Familie, Kinder (< 18), Freunde, enge Kollegen, Schulkameraden.
- Vous: Ladenpersonal, Bedienung, Arzt, Dozent an der Uni, Behörden, geschäftliche Termine.
Graubereiche
Unter Kollegen wechselt die Regel je Branche: tu in Tech und Start-ups, vous in Bank, Recht, Verwaltung. In einem französischen Unternehmen zuerst beobachten, dann entscheiden.
Gegenüber Nachbarn im Mietshaus: zunächst vous, später eventuell „On peut se tutoyer ?".
Der Wechsel zum tu
Das Duzen anzubieten ist ein Ritual:
- „On se tutoie ?" – die neutrale Form.
- „Tu peux me tutoyer." – vom Älteren/Ranghöheren angeboten.
- „On peut se dire tu ?" – etwas formeller.
Duzt Sie jemand, dürfen Sie zurückduzen ohne zu fragen. Umgekehrt ist es riskant.
Fallen
- Duzen Sie NIE eine Bedienung – anders als in deutschen Kneipen.
- In geschäftlichen E-Mails gilt vous absolut, auch wenn Sie die Person zu kennen glauben.
- In manchen bürgerlichen Familien siezen Kinder die Großeltern – selten, aber nicht ausgestorben.
Konsequent konjugieren
Einmal tu oder vous wählen und im ganzen Gespräch durchhalten. Wechseln verwirrt. Vous zieht immer die Pluralform des Verbs nach sich – Vous êtes, nie vous est.