Die Hugenotten in Freiburg: eine Minderheit, eine Erinnerung
Nach der Aufhebung des Edikts von Nantes 1685 finden französische Protestantenfamilien Zuflucht im Breisgau. Ihre Spuren sind unauffällig, aber hartnäckig — in Namen, Berufen und einigen Steinen.
Am 18. Oktober 1685 hebt Ludwig XIV. das Edikt von Nantes auf. Binnen weniger Jahre verlassen fast 200 000 französische Protestanten das Königreich. Man spricht von den Hugenotten in Berlin, Den Haag, London. Seltener von jenen, die unterwegs Halt machten — etwa im Breisgau.
Katholisches Land, pragmatische Haltung
Freiburg ist damals katholisch und österreichisch. Offiziell ist Zuflucht unmöglich. Doch der Markgraf von Baden-Durlach, selbst Protestant, nimmt die Exilierten in den angrenzenden Gebieten auf. Franzosen lassen sich in Emmendingen, Müllheim, Schopfheim nieder. Einige wenige rutschen bis nach Freiburg, um dort begehrte Berufe auszuüben: Uhrmacher, Weber, Buchdrucker.
Namen, die bis heute sprechen
Öffnen Sie ein beliebiges regionales Telefonbuch: Dufour, Laval, Bourgeois, Marchand, Allard. Diese Nachnamen sind oft hugenottische Spuren, französiert und dann über Generationen germanisiert.
„Einen Hugenotten erkennt man an drei Dingen: seiner Bibel, seinem Handwerk und seinem Schweigen.“ — elsässische Redensart, 19. Jh.
Orte des Gedenkens
- Die ehemalige Französisch-reformierte Kirche im Stühlinger bezeugt die Präsenz einer französischsprachigen Gemeinde bis ins 19. Jahrhundert.
- Der Friedhof von Emmendingen bewahrt französische Grabsteine aus dem 18. Jahrhundert.
- Das Universitätsarchiv enthält ab 1720 Einschreibelisten von Studenten „französischer Nation“.
Eine zurückhaltende Identität
Anders als in Berlin, wo die hugenottische Gemeinschaft starke Sichtbarkeit behielt (Französischer Dom, Französisches Viertel), verlief die Integration im Südwesten schneller. Nach zwei oder drei Generationen waren die Familien badisch geworden. Doch etwas bleibt — ein besonderes Verhältnis zur französischen Sprache, eine unternehmerische Ader und, so manche Forscher, eine spezifische Arbeitsethik, die sich noch in einigen Industriellenfamilien des Breisgaus findet.
Die Hugenotten haben Freiburg nicht „gemacht“. Aber sie haben es genährt.
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